foto-blog-1-terheggen.jpgIch habe den Verdacht, unsere Tochter ist schizophren. Anders kann ich mir ihr Verhalten nicht erklären. Denn tagsüber ist sie ein echtes Bilderbuchkind, mit dem man in jedem PeKiP-, Pickler-, Babymassage- oder was auch immer für einem Kurs hervorragend angeben könnte. Sie beschäftigt sich mit großer Hingabe selbst, kann für gefühlte Ewigkeiten einen Schneebesen untersuchen oder sich in Laptopkabel einwickeln und brabbelt dabei fröhlich vor sich hin. Muddi sitzt beglückt daneben und denkt sich: „Kein Kind ist so toll wie meins!“

Doch wenn die Nacht kommt, zeigt Nika ihr zweites Ich. Das Baby, das um 20 Uhr friedlich schlafen ging, wird heimlich ausgetauscht gegen einen Brüllbeutel, der alle zwei Stunden erwacht und sich konsequent nicht beruhigen lassen will, bis man seinem Begehr nachkommt: BRUST, ABER ZACKIG!!! Pädagogen würden dieses Verhalten vermutlich wohlwollend als willensstark bezeichnen, die übermüdete Muddi verbucht das Ganze eher unter „Alte Zicke“. Grundsätzlich ist die Lust auf Brust ein Bedürfnis, für das auch Frolleins Vater größtes Verständnis hat. Da diese Attitüde aber bei der Brustbesitzerin ein erhebliches Schlafdefizit auslöst, stößt dieser Wunsch bei ihr langsam nicht mehr auf besondere Begeisterung. Ich habe es im Gefühl: Bald wird ein Schlafprogramm à la „Jedes Kind kann schlafen lernen“ fällig. Denn eins muss man feststellen: Mit diesem Ratgeber verhält es sich genau so wie mit Diät- oder Rückbildungsgymnastikbüchern: Allein vom Lesen erzielt man leider keinen Effekt. Und so kann ich nur hoffen, dass es stimmt, was dort geschrieben steht: Nämlich dass man einem Kind, das tendenziell schon alleine einschlafen kann, auch ganz schnell angewöhnen kann, dies auch nachts zu tun. Mein Gefühl lacht sich jetzt schon tot …