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Monatsarchiv:Mai 2008

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Ich liege im Bett. Gedanken prasseln auf mich ein, ich kann nicht schlafen. “Versuch, einfach Nichts zu denken”, rät der Ehemann, der natürlich kein Einschlafproblem hat.

Nichts also. Wie sieht Nichts aus? Auf jeden Fall nicht wie ein einarmiger Bandit, der im Sekundentakt neue Gedanken ausspuckt.

Rattazong! Habe ich eigentlich die Karre in den Keller gestellt? Bingbing! Wann wird die Kleine wohl wieder wach? BWWWWT! Hoffentlich macht sie nicht wieder so ein Theater. Tschung! Meine Güte, ist mir warm. FFFFFT! Was muss ich noch alles für unseren Urlaub einkaufen? Dading! Wann packe ich denn den Kram am besten ein? Tüdelüdel! Scheiße, ich müsste dringend mal schlafen. RRRRSSS! Was wollte ich den Kinderarzt alles fragen? Zong! Irgendwie fühle ich mich grad überfordert und mental leer. DSSCHT! Mist, ich muss noch drei Rechnungen begleichen.

…. und während ich noch grübele, wird aus dem Schlafzimmer nebenan Meldung gemacht. Die nächste Stunde darf ich mich wieder mal mit ganz irdischen Dingen befassen. Dann, endlich, kommt es: Das große Nichts. Bei mir sieht es erst so aus wie Propellerflügel, die ganz schnell rotieren und dann irgendwann eine graue, undefinierte Masse werden.

Das sieht auch viel attraktiver aus als ein roter, dicker Hals, den man bekommt, wenn die beknackten Nachbarn, die mit großer Vorliebe mit Heidenlärm Tischfußball spielen oder lautstark “Joana” intonieren, sich über nächtliches Babygeschrei beklagen. Es gibt ja so Sachen, die man nicht braucht. Sowas gehört eindeutig dazu. Was soll ich machen: Das Kind knebeln? Man mag es kaum glauben, aber für mich, die direkt neben dem Geschrei steht, ist der Lärmpegel noch lauter. Und auch ich würde lieber schlafen. Nika übrigens auch, aber et fluppt halt nicht. Grummel!

P. S.: Ebenfalls in die Kategorie “Was keine Muddi braucht” gehören zivilcouragierte Menschen, die mit bleicher Miene in der Gemüseabteilung des Supermarkts auf einen zustürzen und sagen: “Ihr Kleines versucht gerade, den Spargel runterzureißen.” Rein zufällig versucht Frollein, alles runterzureißen, was in ihrer Reichweite ist. Wenn ich jedoch den Kinderwagen weit genug von der Auslage wegstelle, kommt postwendend die Beschwerde: “Frollein, ihr Wagen steht im Weeeeeg!”. Wie mans macht ….

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Ich liebe unser Kind. Punkt. Dafür gibt es natürlich 1000 Gründe, aber einer ist zum Beispiel, dass Frollein sich hervorragend selbst beschäftigen kann. Das einzige, was sie überhaupt nicht abkann – zugegebenermaßen ist das für meine persönlichen Vorlieben etwas hinderlich, aber nun gut – ist, wenn ich am Computer sitze. Dann steht sie daneben und meckert, aber sofern ich mich im größtmöglichen Abstand zur Aufmerksamkeitsdezimierungsmaschine befinde, ist Nika ein großer Self-Entertainer. Und ich muss sagen, dass ich ihr dabei auch stundenlang zusehen könnte. Dieser Forscherdrang, mit dem alles genau unter die Lupe genommen, angekaut, hin- und hergedreht wird, ist absolut faszinierend, und man wird ein bisschen wehmütig wenn man sich fragt, wann in der menschlichen Entwicklung dieses Sich-in-Dingen-verlieren abhanden kommt.

Ich wünsche mir, dass diese Eigenschaft noch lange bleibt – was allerdings ein bisschen schneller gehen könnte, ist die Entwicklung des Interesses fürs Einräumen von Sachen. Bisher ist eindeutig das Gegenteil ihr Favorit, und das in allen erdenklichen Variationen: Papier, Kisten, Spülmaschine, Zwieback (natürlich nur, wenn der Boden frisch gesaugt ist) … und wenn Muddi dann zwischendurch findet, es wäre gut, wenn man auch noch ein wenig Fußboden sehen könnte, ist das Gelächter beim Nachwuchs groß – und alles fängt von vorne an. Was die Konsequenz ist: Muddi räumt jetzt nur noch auf, wenn Frollein im Bett ist. Sisyphus gibt es ja schließlich schon.

Papaaa, der Papiermüll muss raus!Raus aus der Kiste!Hm, in der Zwiebacktüte war ein Loch

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Hurra, wir sind jetzt eine echte “Andere-Menschen-mit-Filmbeiträgen-aus-Urlaub-und-Freizeit-quäl”-Familie! Wir haben nämlich einen brandneuen Camcorder, mit dem wir Frolleins Fortschritte auf Speicher bannen können, damit wir, Mein Double und ichwenn sie pubertiert, Beweismaterial in der Hand haben, dass sie früher wirklich total gut drauf und immer lustig war (tagsüber jedenfalls).

Sie findet sich selbst auch ziemlich toll. Ihren ersten Videoclip begleitete sie jedenfalls mit lauten Hu- und Ha-Rufen und schlug mit großer Begeisterung und Dinkelstangen-versifften Fingern auf den Bildschirm, so dass der Tatort gestern etwas schwammig rüberkam.

Ansonsten haben Vaddi und seine Tochter ein schönes gemeinsames Wochenende allein verbracht, denn Muddi musste sich mal ausruhen und ist zum Beachhandball-Turnier gefahren. Man merkt: Hier stimmt irgendwas nicht. Inzwischen fährt man auf ein Turnier, wo man mit 100 anderen Mannschaften auf einem Zeltplatz nächtigt, und fühlt sich hinterher erholt, weil man mal mehr als vier Stunden am Stück schläft?!?!?!? Absurd … aber wahr!

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Eigentlich bin ich ganz lieb…Interessant, an was man so denkt, während man nachts leichtbekleidet neben dem Bett hockt und vergeblich versucht, seinen eingeschlafenen Arm aus der Umklammerung des Nachwuchses zu lösen (unerwähnt kann bleiben, dass man vor der Geburt fest davon überzeugt war, so einen Mumpitz NIE zu machen! Ein Baby müsse schließlich selbst zurechtkommen, huhaaahaaa).

“Ich sollte ein paar Beckenbodenübungen machen, dann nutze ich die Zeit wenigstens.”

“Flanellschlafanzüge haben durchaus etwas für sich. Kommt nur auf die Situation an.”

“Wie schaffen es Pferde bloß, im Stehen zu schlafen, wenn ich es nicht mal sitzend hinbekomme?”

“Immerhin beißt sie mich gerade nicht.” (Anmerkung: Frollein probiert ihre Zähne mit Vorliebe am mütterlichen Fleisch aus. Keine Ahnung, ob das besonders knusprig ist, auf alle Fälle weiß ich zu berichten, dass acht Zähne höllisch weh tun können. Und das Fiese ist, dass sie das am liebsten macht, wenn man sie gerade auf dem Arm hat oder irgendwo steht und plötzlich einen stechenden Schmerz in der Wade spürt. Was soll man da machen? Kind wegwerfen oder treten? Wohl eher nicht. Schlaues Biest!)

… und während man so denkt, tickt die Uhr unaufhörlich weiter und das Aufstehen rückt näher und näher und man sendet noch schnell einen kleinen frommen Wunsch in die Nacht, dass die Kleine vielleicht, ganz vielleicht ja bis halb acht schlafen könnte?

P. S. Wunsch blieb unerfüllt. Sechs Uhr ist definitiv nicht halb acht.

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Eines muss einmal ganz deutlich hervorgehoben werden: Der Kaiserschnitt ist eine Bauchoperation, die nicht nur eine oberflächliche Hautnarbe an der Schamhaargrenze, sondern auch Narben an der Gebärmutter und dem Gewebe zwischen dieser und der Haut hinterlässt. Von den vielen Frauen und Kindern, die auch ein seelisches Problem damit verbinden, ganz zu schweigen.

Die Frauen mit einem Kaiserschnitt, haben oft das Gefühl, nicht zu einer Rückbildungsgruppe zu passen, da der Beckenboden ja scheinbar kein „Problem“ abbekommen hat. Sehr viele dieser Frauen haben aber ein „Bauch-Narbenproblem“: sie spüren den Bereich rund um die Narbe taub oder gar nicht; es ist ihnen unangenehm, wenn das Baby die Narbe beim Herumtragen mit den Füßchen berührt. Die Narbe brennt oder kann sich nicht dehnen, wie die übrige Haut. Manche Frauen haben auch dubiose Rücken- oder Leistenprobleme, die sich über die Arbeit an der Narbe sehr schnell beeinflussen lassen. Oft sieht man auch noch lange nach der Kaiserschnitt-Entbindung eine Schwellung unter der Narbe oder Einziehungen derselben. 

Ich habe mich mit diesen Narben intensiv auseinander gesetzt und habe begonnen, alle Frauen, die bei mir Hilfe diesbezüglich suchten, gleich nach der Naht- oder Klammerentfernung, mit einem Kinesio-Tape zu kleben, nachdem ich sie angeleitet habe, die Narbe jeden Tag mit einer speziellen Salbe einzuschmieren und weich zu bewegen. Auch hat sich die manuelle Lymphdrainage und energetische Arbeit an der Narbe sehr gut bewährt. Um die Problematik der inneren Schichten zu verbessern, eignen sich aus meiner Sicht vor allem viscerale und fasziale Techniken sowie spezifische Lagerungen. 

Nicht zu vergessen ist aber in jedem Fall, dass alle diese Frauen nach dem Kaiserschnitt ebenso, wie eingangs erwähnt,  eine Rückbildungsarbeit brauchen – schwanger waren sie ja alle und der Bauch und die Beckenbodenmuskulatur arbeiten immer zusammen! 

Wenn Sie selbst davon betroffen sind oder Ihre Bauchnarbe Probleme macht, ich freue mich auf Ihre Anfragen!

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Sooo groß!Es gibt da diese Momente, wo Herz und Kopf kurz ins Stocken geraten. Zum Beispiel, wenn

… Nika vor dir steht, in der einen Hand einen Zwieback, in der anderen einen Kräcker, und du denkst: “Hmmm, in der einen Hand einen Zwieback, in der anderen einen Kräcker …. womit zum Teufel hält sie sich fest????” (Gern alternativ auch im Badezimmer mit zwei Schwimmtieren in den Pfoten)

… Frollein dir zeigt, wie groß sie schon ist und enthusiastisch beide Arme hochreißt, um im nächsten Moment JohannesPaulderZweite-esk auf die Knie zu fallen und den Boden zu küssen.

… sie dir vorführt, dass man mit dem Explorergurt sehr wohl aus dem Wagen fallen kann (wenn man nämlich beschließt, sich kopfüber über den Beinbügel zu stürzen.)

Und in genau solchen Momenten denkt man sich: Verdammte Axt, ist die schon groß!!! Zehn Monate und zwei Tage, um genau zu sein. Die Zeit ist so gerast!

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… ist es, wenn man das Kind abends beim Einschlafen dabei beobachten kann, wie es sich noch kurz selbst applaudiert, bevor es ins Land der Träume verschwindet.

Weniger wundervoll ist allerdings, dass die  kleine Motte Neurodermitis hat, wie der Hautarzt mitteilte. Die Hände sehen aus wie Lepra, das Gesicht wird wieder besser, hatte aber über Pfingsten große Ähnlichkeit mit einem Streuselkuchen. Läääästig!

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Gestern las ich im Blog von Nikas Freund Kolja (den ich gern eleganter verlinken würde, aber irgendwie hat das Tool grad ne Macke, daher http://koljaslog.blog.de), dass Eltern und Kinder ja gelegentlich nicht gerade einer Meinung sind. Bislang hält sich das bei uns noch in Grenzen, aber in letzter Zeit haben wir zunehmend Angst vor den Dingen, die da noch auf uns zukommen.

Neulich beispielsweise kam Dr. G mit relativ aschfahlem Gesicht nach Hause und berichtete von einer Begebenheit, die sich in der Bahn zugetragen hatte.

Eine Muddi entert das Abteil.

Sie: “Sören, setz dich ruhig hier hin und zappel nicht herum. Denk daran, was wir besprochen haben.”

Sören: (denkt überhaupt nicht an das Besprochene und zappelt wie verrückt)

Sie: Sören, ich habe dich gewarnt. Wenn du nicht ruhig bist, …

Sören: (guckt interessiert und erwartungsvoll, was der Rest des Satzes wohl bringen mag)

Sie: … dann steigen wir an der nächsten Haltestelle sofort wieder aus.

Sören: Und dann?

Sie: Gehen wir den ganzen Weg zu Fuß.

Sören: schmeißt sich heulend auf den Boden des Straßenbahnabteils und brüllt wie am Spieß.

Ankunft an der nächsten Station. Muddi schleift ihren immer noch brüllenden Sohn unter den Augen der amüsierten (kinderhabenden und mitfühlenden) bzw. entsetzten (Rabenmutter, die!) Mitreisenden an der Kapuze aus dem Waggon. Noch auf dem Bahnsteig macht Sören “toten Mann” (mit der Ausnahme, dass seine Variation des toten Mannes noch mit sehr funktionsfähigen Stimmbändern ausgestattet ist) und lässt sich nicht zum Aufstehen bewegen.

Seitdem haben Dr. G und ich große Angst vor der Trotzphase. Vermutlich werden wir in dieser Zeit unser Essen vom Bofrost-Mann liefern lassen und Kleidung nur noch übers Internet bestellen. Ach ja: Und wir gehen natürlich von vornerhein nur zu Fuß.

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Explorer auf TourFrollein Nika hat was Neues: Einen tollen Festschnallgurt für den Kinderwagen. Da sie ja gemeinhin ziemlich umtriebig ist, hat sie vor kurzem beschlossen, man könnte mal austesten, wie es eigentlich ist, während der Fahrt aufzustehen. Da Muddi bei dieser Aktion einen halben Herzinfarkt bekommen hat, gibt es jetzt den Explorer-Gurt. Seitdem verbringt Frollein die Spazierfahrten weitestgehend im Stehen, begeistert belächelt von allen Entgegenkommenden. Interessant sind dabei die Gesichter anderer Mütter, auf denen geschrieben steht: “Um Himmels willen! Wie kann denn die Mutter entspannt in ein Schaufenster gucken, während ihr Kind grad aus dem Wagen fällt?!” – bis dann der Trick durchschaut wird und sich der Gesichtsausdruck in ein: “Hm, wieso haben wir das eigentlich nicht?” verwandelt.

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Mama, Papa, ich will einen Garten!!!

Ich kriege ja immer so einen leichten Hals, wenn ich solchen Leuten wie Angelina Jolie zuhören muss, die sagt, sie fände Kinder ja derartig toll, dass sie etwa 23 davon haben wolle. Natürlich sieht sie, während sie sowas sagt, aus wie das blühende Leben: Strahlend schön, weit entfernt von schlabbriger Haut, Falten oder Augenringen. Seit einigen Tagen weiß ich auch, warum: Sie hat Nannys. Wie toll so ein Zustand sein kann, durfte ich in den letzten zwei Wochen erfahren. Unsere Nanny heißt nebenbei auch Schnuffoma und hat für uns 14 Tage lang Kinderfrau gespielt. Nicht nur tags, sondern auch nachts. Ein Geburtstagsgeschenk, das so simpel wie effektiv ist: Sie hat mir Schlaf geschenkt und sich nächtens um Nika gekümmert.

Da Schnuffoma schon das Stadium der Bettflucht erreicht hat, machte ihr das keine Mühe – und sie hatte auch noch tagsüber Energie, sich voller Begeisterung auf unseren Nachwuchs zu stürzen. Auch Auslandsreisen in die Schweiz sind mit Nanny übrigens kein Problem. Und bis fünf Uhr auf ner Hochzeit rumtanzen und viel trinken auch nicht – Oma ist ja mit dem Kind im Hotel und hält es bis zum verqollenen Gesichtes absolvierten Checkout von einem fern. Wenn einem das Leben mit Kind derart einfach gemacht wird, kann ich Frau Jolie verstehen: So will man gerne zehn + x Kinder!

Fakt ist jedenfalls, dass ich so erholt bin, dass meine Mitmenschen bei meinem Anblick vermuten, ich hätte heimlich eine Urlaubsreise in die Karibik gemacht. Und die Haare sind ab. Das aber nur nebenbei.