Immer wieder wird mir diese Frage gestellt. Da Anfang des Monats Juni Vollmond war und der Geburtenansturm ausgeblieben ist, nehme ich das zum Anlass etwas über diesen Mythos zu schreiben, bzw. zu zitieren. Obwohl bekannt ist, dass der Mond offensichtlich auf Natur und Tierreich wirkt, konnte durch zahlreiche Studien nicht bestätigt werden, dass dies auch auf die Geburtenhäufigkeit bei Vollmond zutrifft. Hier dazu ein informativer Artikel, ungekürzt, von Mag. Petra Igsseder-Hesz aus der Zeitschrift MEDIZIN populär – 3/2004:
Die Kraft des Vollmondes
Faszinierend war die helle Vollmondscheibe am Himmel immer schon für die Menschen. Seit dem 18.Jahrhundert wird die Wirkung auf uns Erdlinge in regelmäßigen Abständen untersucht. Bis jetzt haben diese Studien allerdings keinen Einfluss auf unseren Organismus ergeben. Eine Untersuchung von 2,76 Millionen Geburten im Zeitraum von 1970 bis 1999 (371 Mondzyklen) in Österreich, erbrachte aber auch keine Beziehung zwischen Mondphase und Geburtenhäufigkeit.
Die Wirkung des Lichts
Das bestätigt Annemarie Kerschbaumer, Hebamme aus Wien:“Ich habe selber zwei Jahre lang die Geburtenhäufigkeit in Verbindung mit den Mondphasen beobachtet und aufgezeichnet und bin zu dem Schluss gekommen, dass es zum Vollmond oder in den Tagen davor oder danach keine Geburten-Häufungen gibt. Zu Neumond übrigens auch nicht.“ Trotzdem glauben viele Ärzte und Krankenschwestern fest daran, dass sie bei Vollmond mehr zu tun haben (auch dieser Glaube ist wissenschaftlich untersucht worden). Ähnlich schwören Sanitäter und Telefonseelsorge, dass bei Vollmond mehr Unfälle passieren und mehr Menschen Selbstmordabsichten äußern. Dieses Phänomen heißt selektive Wahrnehmung: Man merkt sich nur das, was die eigene Theorie bestätigt.
Annemarie Kerschbaumer: “In der Zeit vor der Industrialisierung und Elektrifizierung unseres Landes hat das Mondlicht offensichtlich schon Auswirkungen auf den weiblichen Zyklus und Geburten gehabt. Da gibt es Aufzeichnungen, dass Frauen häufig ihren Eisprung zu Vollmond und ihre Regel zu Neumond hatten. Nicht umsonst wurden in vielen Kulturen Fruchtbarkeitsfeste zu Vollmond abgehalten.“
Eine Annahme, die durchaus ihre Berechtigung hat, denn Licht hat immer eine große Wirkung auf Menschen. Bereits eine Lichtstärke von 180 lux hat einen deutlichen Einfluss auf das menschliche Hormonsystem. Aber auch geringe Mengen wie etwa Vollmondlicht mit 0,2 lux haben noch Effekte: spezielle Lichtsensoren in der Netzhaut melden diese ungewohnte Lichtintensität an die „innere Uhr“, und diese sorgt dafür, dass das Schlafhormon Melatonin nicht weiter ausgeschüttet wird. Dadurch fühlen sich viele Menschen wacher und können nicht einschlafen. Bringen zugezogenen Vorhänge immer noch keine Nachtruhe, so ist der Betroffene nicht etwa mondsüchtig, sondern leidet unter einer „selbsterfüllenden Prophezeiung“, sagen Psychologen: Wer darauf wartet, dass er in der Nacht keine Ruhe findet, der schläft auch schlecht.
Andere Farbwahrnehmung
Mondlicht hat noch eine andere Auswirkung, über die die Wissenschaft rätselt: die Farbempfindlichkeit des menschlichen Auges schwankt im Mondrhythmus. Um den Vollmond herum sehen wir rot besser als blau. Warum dies so ist und welchen Nutzen uns das bringen könnte, ist aber bislang noch unklar. Übrigens der Mond bewegt sich langsam, aber stetig von der Erde weg. In etwa fünfzehn Milliarden Jahren wird es den vertrauten Anblick für unsere bedauernswerten Nachfahren – falls welche existieren – nicht mehr geben.