Verfasst von Monika Siller am 03 Jul 2008 um 09:49 pm
Wie behandelt man bitte eine Narbe am Beckenboden?
Diese Frage wird mir nicht nur von Laien gestellt. Selbst Physiotherapeuten können sich darunter oft nichts vorstellen.
Wenn eine Frau bei mir in der Praxis Hilfe sucht, dann starte ich gewöhnlich mit einer ausführlichen Befragung. Ich sehe mir den Mutter-Kind-Pass an und bekomme so einen Eindruck vom Verlauf der Geburt. Wichtig ist natürlich auch zu wissen, wie groß der Kopfumfang des Kindes war, in welcher Gebärposition die Frau geboren hat und vieles mehr. Dann befrage ich die Frau nach den aktuellen Beschwerden und ob sie diese vor der Geburtsverletzung schon hatte oder nicht. Weitere Fragen stelle ich zu Symptomen, die auf eine Inkontinenz (unfreiwilliger Harnverlust) oder einer Senkung von Gebärmutter, Scheide und Blase hinweisen könnten.
Handelt es sich jetzt vor allem um die Narbenproblematik, dann versuche ich zuerst, dass die Frau ihren Beckenboden spüren kann und selbst bemerkt, wann Schmerzen auftreten und ob sie die linke, wie auch die rechte Seite „da unten“ gleich gut wahrnehmen kann. Manchmal hilft es eben schon, wenn man durch Übungen die Durchblutung im Bereich der Narbe ankurbelt. Sollte die Wahrnehmung nur schlecht möglich sein, sehe ich mir (mit Einwilligung der Frau) den Beckenboden einmal genauer an. Ich prüfe den Kraftgrad der Muskulatur und teste die Nervenversorgung. Weiters untersuche ich auch die Funktion der Hüftgelenke, der Lendenwirbelsäule und der Iliosakralgelenke. Dann entscheide ich, wie ich in meiner Behandlung vorgehen könnte.
Zur Behandlung bieten sich dann viscerale und fasciale Techniken, ebenso wie energetische Arbeit an. Auch haben sich die Arbeit mit Triggerpunkten oder aber aktive Übungen mit Bezug zur Atmung bewährt. Um den Frauen, die den Beckenboden schwer wahrnehmen können, eine Therapiemöglichkeit anzubieten, arbeite ich auch sehr gerne mit Bio-Feedback.
Am wichtigsten scheint mir aber in der ganzen Behandlungsfolge der interdisziplinäre Zugang. Ich diskutiere ständig mit Gynäkologen, Hebammen und natürlich Physiotherapeuten und Psychologen, um alle Aspekte in die Behandlung mit einzubringen. Der Beckenboden hat es in sich…

