Warum gibt es so viele Kaiserschnitte?
Die Schnittentbindung ist ein sehr kontroverses und vieldiskutiertes Thema. Gerade weil die Sectiorate so stark ansteigt, müssen wir uns intensiv mit dieser Geburtsart beschäftigen und sie hinterfragen. Wichtig ist ausführliche und genaue Information am besten schon im Vorfeld, damit die werdenden Eltern genügend Zeit haben und sich Gedanken machen, nachfragen können. Im Akutfall ist eine zeitintensive Aufklärung zur Schnittgeburt natürlich nicht möglich, da geht das Wohlbefinden des Kindes vor. Ich denke da eher an die Frauen, die sich aus anderen Gründen für einen Kaiserschnitt entscheiden z.B. psychische Komponenten, Wunschkaiserschnitt, Angst, etc. 

Um eine wichtige Entscheidung selbst bestimmt treffen und die Verantwortung dafür tragen zu können, braucht es Aufklärung und Auseinandersetzung mit dem Thema, egal worum es geht, denn die Folgen davon werden ein Leben lang präsent sein.

Zur Geschichte des Kaiserschnitts findet sich in Wikipedia folgendes: 

„Bereits das Römische Recht kannte die Verpflichtung, an einer im Sterben liegenden oder soeben verstorbenen Schwangeren einen Kaiserschnitt vorzunehmen, um möglicherweise das Kind zu retten oder es zumindest getrennt beerdigen zu können. Diese „lex caesarea“ wird in den Digesten als „lex regia“, also als Gesetz aus der Königszeit (753–510 v. Chr) bezeichnet und dürfte demnach sehr alt sein: 

Dig. XI.8.2: negat lex regia mulierem, quae praegnas mortua sit, humari, antequam partus ei excidatur. Qui contra fecerit, spem animantis cum gravida peremisse videtur.

Ein königliches Gesetz verbietet, dass eine Frau, die schwanger verstorben ist, beerdigt werde, bevor die Leibesfrucht aus ihr herausgeschnitten wurde. Wer dem zuwiderhandelt, setzt sich dem Vorwurf aus, ihre Hoffnung auf Überleben mit der Schwangeren getötet zu haben. 

Laut dem römischen Schriftsteller Plinius (nat. hist. 7, 47) leitet sich der Name “Caesar” daraus her, dass der erste Träger dieses Namens aus dem Mutterleib geschnitten wurde (von lat. „caedere“ = aufschneiden, herausschneiden). Da aus „Caesar“ der Begriff Kaiser entstand, wurde analog aus der sectio caesarea („cäsarischer Schnitt“) der Kaiserschnitt. Im englischen Sprachraum heißt der Eingriff noch heute „Caesarean section“. Dass Julius Caesar selbst durch Kaiserschnitt entbunden worden sei, ist hingegen mit Sicherheit eine Legende, da seine Mutter die Geburt überlebte. Dies kam zur damaligen Zeit praktisch nicht vor und hätte daher Eingang in die Geschichte gefunden. 

Der katalanische Heilige Raimund Nonnatus, Patron der Schwangeren, Ammen und Kinder, für eine glückliche Entbindung und gegen Wochenbettfieber, trug seinen Beinamen (lat. non natus = nicht geboren), weil er durch Kaiserschnitt zur Welt kam, da seine Mutter vor seiner Geburt starb. Bis in die Neuzeit war der Kaiserschnitt fast immer mit dem Tod der Mutter verbunden. Normalerweise wurde er daher nur an Toten vorgenommen, zum Beispiel um das Kind ordnungsgemäß bestatten zu können. Der erste bekannte erfolgreiche Kaiserschnitt an einer Lebenden wurde im Jahre 1500 in Siegershausen in der Schweiz von dem Schweinekastrierer Jacob Nufer vorgenommen. Seine Frau überlebte die Prozedur nicht nur, sondern brachte im nächsten Jahr auf natürlichem Wege Zwillinge zur Welt. In Deutschland erfolgte der erste Kaiserschnitt am 21. April 1610 in Wittenberg durch Jeremias Trautmann. 1769 wurde von Joachim Friedrich Henckel der erste Kaiserschnitt im Verlauf der Linea alba durchgeführt. inea alba heißt „weiße Linie“ und ist die senkrecht verlaufende Bindegewebsnaht in der Bauchmitte. Diese Linie färbt sich während der Schwangerschaft färbt dunkelbraun durch verstärkte Pigmentierung und wird somit sichtbar (Linea fusca). Im Gegensatz zu Schwangerschaftsstreifen verschwindet diese Verfärbung einige Zeit nach der Geburt wieder vollständig.  

Am 25. September 1881 wurde von Ferdinand Adolf Kehrer in Meckesheim der erste konservative klassische Kaiserschnitt durchgeführt. Diese Kaiserschnittmethode, bei der die Bauchdecke und die Gebärmutter nicht wie bisher üblich von oben nach unten, sondern quer aufgeschnitten werden und danach die Gebärmutter fest mit dem Bauchfellüberzug vernäht wird, war bahnbrechend und wird in der Modifikation nach Hermann Johannes Pfannenstiel, nach dem diese Technik auch benannt ist, auch heute noch überall angewendet. Im Jahre 1895 führte Alfred Dührssen den vaginalen Kaiserschnitt ein. Dank verbesserter Operationstechniken, der Einführung der Asepsis, Fortschritten in der Anästhesie, Bluttransfusionen und Antibiotika konnte die Müttersterblichkeit beim Kaiserschnitt, die in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts noch bei über 80 % lag, auf 0,04 ‰ (Deutschland 2000 lt. BZgA) gesenkt werden. In einigen Privatkliniken in Brasilien beispielsweise liegt die Kaiserschnittquote heute bei über 70 %.“ 

Kaiserschnitt – ja oder nein?
Also wie wir lesen konnten, wieder mal eine kleine Ungenauigkeit in der Überlieferung der Geschichte. Ich darf hiermit einen Mythos entkräften. Und zwar, dass der Name Kaiserschnitt nicht von Julius Caesar kommt, sondern von dem Wort „schneiden“ (lat. caedere)… was mir persönlich auch logischer erscheint. Die stark zunehmende Anzahl der Kaiserschnittgeburten wird sehr besorgt beobachtet, nicht nur von uns Hebammen. Diskussionen über vaginale Geburt versus abdominale Geburt werden uns wohl noch oft und lange beschäftigen.