Windpocken oder Varizellen zählen zur Gruppe der Herpesviren und sind eine durch das Varicella-Zoster-Virus hervorgerufene, hochansteckende Infektionskrankheit. Dieser Virustyp zieht sich nach Abheilen der Infektion in die Nervenansammlungen zurück. Der menschliche Organismus kann den Virus nicht vernichten, sondern er hält diesen lediglich in Grenzen. Bei späterem Absinken der Abwehrkraft des Körpers kann es zu Gürtelrose (Herpes Zoster) kommen. Es entstehen Bläschen die sich im schlimmsten Fall auf größere Areale ausbreiten können und zu Komplikationen führen können. Dieser Ausschlag kann Narben und Schmerzen zur Folge haben, ist aber mit keiner Gefahr für das Ungeborene verbunden.

95% Immunität bei Schwangeren
Normalerweise ist der Körper nach einmaliger Erkrankung an Windpocken ein Leben lang immun. Bei Schwangeren kann man von einer 95% Immunität ausgehen. Grundsätzlich erkranken aber meist Kinder besonders häufig im Schulalter an Windpocken.

Unterschiedliches Risiko je nach Schwangerschaftswoche
Windpocken werden durch engen Kontakt mit bereits erkrankten Personen und durch Tröpfcheninfektion (Husten, Niesen, Speichel, Bläschenflüssigkeit) übertragen. Selten aber doch überwindet das Virus einige Meter Luftdistanz. Die Inkubationszeit beträgt dabei etwa 10 bis 21 Tage. Ansteckend ist der Virus zwei Tage vor Ausbrechen der Erscheinungen auf der Haut bis zur vollständigen Verkrustung. Der Zeitpunkt der Infektion ist ausschlaggebend, wenn es darum geht wie groß das Risiko für ihr Baby ist. Eine Erkrankung mit Varizellen bis zur 24. Schwangerschaftswoche kann zu einer Fehlgeburt oder in seltenen Fällen (1-2%) zum angeborenen Varizellensyndrom führen mit folgenden spezifischen Merkmalen: Hautveränderungen (z.B.Narben), Unterentwicklung von Gliedmaßen, niedriges Geburtsgewicht, Linsentrübung (Auge) und Schäden am Gehirn. Bei einer Infektion der Schwangeren innerhalb 3 Wochen bis max. 5 Tage vor der Geburt kommt es in ca. 25% der Fälle bis zum 4. Lebenstag des Neugeborenen zu intrauterin erworbenen Windpocken, da es noch nicht lange genug durch die mütterlichen frisch gebildeten Antikörper geschützt ist. Diese Infektionen bleiben meist ohne Folgen für das Kind. Erkrankt die Mutter jedoch weniger als 5 Tage vor der Geburt, so besteht ernsthafte Gefahr für das Kind, die manchmal tödlich enden kann. Betroffene Neugeborene werden geimpft, medikamentös behandelt und brauchen intensive ärztliche Betreuung.

Windpocken Prävention und Prophylaxe
Bei Ungewissheit über Ihre Immunität sollten Sie daher sicherheitshalber einen Bluttest machen. So kann festgestellt werden ob sie Antikörper haben oder nicht. Nichtimmunen Frauen mit Kinderwunsch wird empfohlen, sich mindestens 3 Monate vor Eintritt einer Schwangerschaft impfen lassen, um ihr ungeborenes Kind nicht zu gefährden. Auf keinen Fall während der Schwangerschaft ohne Indikation immunisieren lassen. Grundsätzlich sollte in der Schwangerschaft jeglicher Kontakt mit Menschen die an Windpocken erkrankt sind vermieden werden. Falls aber doch ein Kontakt stattfindet, suchen Sie bitte umgehend Ihren Frauenarzt auf, da eine besonders schnelle Abklärung Ihres Immunschutzes ausschlaggebend für eine weitere mögliche Behandlung ist.