An sich bin ich ja kein typischer Rosa- oder Himmelblau-Käufer aber in den letzten Jahren in denen meine Fast-Angeheiratete-Nichte wächst und gedeiht musste ich immer wieder feststellen, dass es gar nicht einfach ist einmal etwas Nicht-Rosarotes zu kaufen, das man auch noch anziehen kann. Klar kann man zwischen den Abstufungen von blassrosa bis violett wählen, aber im Allgemeinen ist die Farbe der Kinderbekleidung immer eindeutig geschlechtsbestimmend.

Einkaufen in der Jungenabteilung
Aber wenn man diesen Aspekt einfach mal weglässt und allen Mut aufbringt mal aus der Norm zu fallen und beispielsweise einen Strampelanzug in der Jungenabteilung kaufen würde und diesen einem Mädchen anziehen, kann man gewiss sein, dass aus dem Mädchen ganz schnell ein Junge wird. So eingebrannt hat sich diese Farbenzuweisung in die Köpfe unserer Mitmenschen.

Das haben wir sogar am eigenen Leibe erlebt. Saßen wir gemeinsam mit den Eltern und Großeltern „unserer“ Nichte im Cafe. Damals war sie grade mal so am Dahinhampeln und äußerst aufgeweckt und freundliche zu allen sich bewegenden „Dingen“. Angefangen von Menschen, Hunden, Katzen aber auch ferngesteuerte Autos und Holzwurliwürmer waren in der Wertung ganz oben. Also kann man sagen: sie hat einfach jeden angelächelt.

So auch die älteren Damen gleich am Nebentisch. Unser Mädel natürlich in rosalichen Tönen gekleidet wurde auch sofort als solches erkannt und begeistert mit den Worten „Du bist aber ein süßes Mädchen“ begrüßt. Einige Momente später hatte es unser weiblicher “Allerwelts”-Smiley dann geschafft und hatte sämtlichen Apfelsaft über sich ergossen. Das hatte zur Folge, dass Mama geschwind mal in der Toilette verschwand und das rosalich gekleidete Mäuschen in ein grünlich gekleidetes Mäuschen verwandelte. Sie bekam nämlich ein hellgrünes Leibchen und eine Jeanslatzhose verpasst.

So, völlig neu ausgestattet und ideal getarnt für neue Abenteuer schlich sich wohlgemerkt das gleiche Mäuschen wieder zum Nachbartisch und fing erneut an zu flirten. Sofort waren natürlich wieder alle älteren Damen begeistert und unterstrichen dies mit den Worten: „Du bist aber ein ganz ein Lieber“… hm…? … Wir lösten dann das Rätsel auf und erklärten, dass wir nur die Kleidung auf der Toilette getauscht hatten und nicht etwa das ganze Kind, aber so recht wollte man es wohl doch nicht glauben.

Also, nicht so einfach mal etwas aus der Norm zu fallen. Mal schauen, wie mutig wir in der Beziehung sein werden…