Als Physiotherapeutin werde ich immer wieder von Müttern kleiner Kinder gefragt, wie ich denn so zum Tragen von Kindern in Tüchern stehe. Das sei doch jetzt wieder so in Mode…

Die häufigsten Fragen sind dann:

- schadet das Tragen im Tuch den Wirbelsäulen der Kinder nicht?
- wird das Kind da nicht zu sehr verwöhnt?
- Ist das nicht sehr anstrengend für den oder die Tragenden?

Meine Antworten sind dann meist Gegenfragen:

- ist die Wirbelsäule bei den Babys nicht in jedem Fall vor dem Aufrichten rund?
- Kannst du dir vorstellen, dass Nähe nicht gut ist für dein Kind?
- Schleppst du nicht auch Wäschekörbe, Mülleimer, Einkaufstaschen?

Die Gegenfragen wirken vielleicht etwas provokant. Ich denke trotzdem, dass es heute für Mütter insgesamt schwieriger ist, einfach der Intuition zu folgen – nämlich ein Kind zu tragen, zu berühren und anzunehmen, eben so, wie ein neuer Erdenbürger ist. Viel leichter ist es, sich ständig der „Welt anzupassen“, die man vorfindet, in der Hoffnung nur ja nicht als verrückt und alternativ abgestempelt zu werden.

Nähe und Geborgenheit dank Tragetuch
Nähe, Geborgenheit und Zeit – das sind die Dinge, die die kleinen Kinder brauchen. Mit einem Tragetuch kann man eigentlich alles verbinden. Der Herzschlag und die Wärme der Mutter sind für das Kind allgegenwärtig und das Schaukeln durch die Bewegungen der oder des Tragenden wirken sich äußerst positiv auf die Entwicklung des Gleichgewichtes beim Kind aus. Außerdem kann mit einem Tragetuch auch die kindliche Hüfte gut geformt werden. Ich verwende es also auch als „Therapiematerial“ für gefährdete Kinderhüften.

Lassen Sie doch einmal den Kinderwagen stehen – die schöne Herbstwanderung lässt sich mit einem Tragetuch viel einfacher und spontaner gestalten und es wird vermutlich nicht nur dem oder der „Getragenen“ gefallen!