Verfasst von Monika Siller am 09 Sep 2008 um 04:42 pm
Vom „Tragetuch-tragen“ und „Kinderwagen-schieben“
Als Physiotherapeutin werde ich immer wieder von Müttern kleiner Kinder gefragt, wie ich denn so zum Tragen von Kindern in Tüchern stehe. Das sei doch jetzt wieder so in Mode…
Die häufigsten Fragen sind dann:
- schadet das Tragen im Tuch den Wirbelsäulen der Kinder nicht?
- wird das Kind da nicht zu sehr verwöhnt?
- Ist das nicht sehr anstrengend für den oder die Tragenden?
Meine Antworten sind dann meist Gegenfragen:
- ist die Wirbelsäule bei den Babys nicht in jedem Fall vor dem Aufrichten rund?
- Kannst du dir vorstellen, dass Nähe nicht gut ist für dein Kind?
- Schleppst du nicht auch Wäschekörbe, Mülleimer, Einkaufstaschen?
Die Gegenfragen wirken vielleicht etwas provokant. Ich denke trotzdem, dass es heute für Mütter insgesamt schwieriger ist, einfach der Intuition zu folgen – nämlich ein Kind zu tragen, zu berühren und anzunehmen, eben so, wie ein neuer Erdenbürger ist. Viel leichter ist es, sich ständig der „Welt anzupassen“, die man vorfindet, in der Hoffnung nur ja nicht als verrückt und alternativ abgestempelt zu werden.
Nähe und Geborgenheit dank Tragetuch
Nähe, Geborgenheit und Zeit – das sind die Dinge, die die kleinen Kinder brauchen. Mit einem Tragetuch kann man eigentlich alles verbinden. Der Herzschlag und die Wärme der Mutter sind für das Kind allgegenwärtig und das Schaukeln durch die Bewegungen der oder des Tragenden wirken sich äußerst positiv auf die Entwicklung des Gleichgewichtes beim Kind aus. Außerdem kann mit einem Tragetuch auch die kindliche Hüfte gut geformt werden. Ich verwende es also auch als „Therapiematerial“ für gefährdete Kinderhüften.
Lassen Sie doch einmal den Kinderwagen stehen – die schöne Herbstwanderung lässt sich mit einem Tragetuch viel einfacher und spontaner gestalten und es wird vermutlich nicht nur dem oder der „Getragenen“ gefallen!


Baby-Blog von Ramona und Eike am 30 Okt 2008 um 20:24 #
erster Besuch bei der Hebamme in der 25. Schwangerschaftswoche…
Jetzt wird es eng: Wegen Gewichtszunahme und Längenwachstum ist das ungeborene Baby in seiner Bewegungsfreiheit schon ziemlich eingeschränkt. Aber es kann seine Lage noch verändern. Der Körper des künftigen Familienmitglieds ist mit einem feinen F…
Mariane am 10 Nov 2008 um 23:51 #
Also ich habe mir unbedingt eingebildet, ein BabyBjörn muß es sein. Also gesagt, getan. Die Werbung hat ja nur gutes versprochen. Hat ja eh nur 100 euro gekostet. So genau einmal haben wir ihn benutzt. Kind hat sich raus gedrückt. Soviel Kraft hat er vorher noch nie aufgebracht. Mama hattte Mitleid, könnte ja auch die Männlichkeit leiden, war mein Resümee.
BabyBjörn hängt daher seit einem Jahr an der Garderobe und ein Tragetuch haben wir inzwischen auch.
Achja - Kind mag aber nur noch alleine laufen - für ih zählt nur die große Freiheit. Wird wohl mal nach Hamburg ziehen.
Dinge die die Welt nicht braucht….
Monika am 12 Nov 2008 um 11:52 #
Hallo Mariane!
Ich persönlich bin ja überhaupt kein Fan von dem BabyBjörn, weil die Kinder da in einer extremen Wirbelsäulenstreckung drinnen “hängen”. Das ist nicht besonders förderlich für die Entwicklung der kindlichen Hüfte. Also aus physiotherapeutischer Sicht nicht wirklich geeignet!
Manche Kinder mögen auch das Tragetuch nicht gerne als Transportmittel, da habe ich ziemlich intensiv recherchiert, woran das liegen könnte… für die Kindesentwicklung (soziale und körperliche- hier v.a. wegen der Hüfte) ist es nämlich fabelhaft!
Meine Gründe für das kindliche “Nicht-mögen”:
Viele Mütter fangen viel zu spät mit dem Tragen an. Meistens dann, wenn die Kinder schon etwas mobiler werden. Tragetuchtragen sollte man für einen guten Erfolg vom 1. Tag nach der Geburt an machen.
Sind die Kinder die Nähe direkt nach dem Verlassen des Mutterleibes einmal nicht mehr so gewohnt, dann ist es ziemlich schwer, sie wieder daran zu gewöhnen…
Zu diesem Zeitpunkt haben die Kinder dann auch schon ein ganz gutes Gewicht und die Mütter verspannen sich, wenn sie es nicht von Anfang an “mittrainieren”. Dann kommt als Antwort auf die mütterliche Spannung die Gegenspannung des Babys… und so ist natürlich Tragen für beide kein Vergnügen.
Außerdem bemerke ich oft, dass die Tücher viel zu wenig fest gebunden werden - ein Babytuch-Bindekurs ist da immer eine große Hilfe…
Manchmal sind die Babytragetücher auch viel zu wenig elastisch in allen Richtungen, da ist das sinnvolle Binden fast unmöglich…
Vielleicht versuchst du es bei einem weiteren (?) Kind wieder, die Gardarobe hält das Tuch noch länger dafür bereit!
Liebe Grüße und danke für den wertvollen Beitrag!
Monika