Archiv für Physiotherapie Blog

Verfasst von Monika Siller am 09 Sep 2008

Vom „Tragetuch-tragen“ und „Kinderwagen-schieben“

Als Physiotherapeutin werde ich immer wieder von Müttern kleiner Kinder gefragt, wie ich denn so zum Tragen von Kindern in Tüchern stehe. Das sei doch jetzt wieder so in Mode…

Die häufigsten Fragen sind dann:

- schadet das Tragen im Tuch den Wirbelsäulen der Kinder nicht?
- wird das Kind da nicht zu sehr verwöhnt?
- Ist das nicht sehr anstrengend für den oder die Tragenden?

Meine Antworten sind dann meist Gegenfragen:

- ist die Wirbelsäule bei den Babys nicht in jedem Fall vor dem Aufrichten rund?
- Kannst du dir vorstellen, dass Nähe nicht gut ist für dein Kind?
- Schleppst du nicht auch Wäschekörbe, Mülleimer, Einkaufstaschen?

Die Gegenfragen wirken vielleicht etwas provokant. Ich denke trotzdem, dass es heute für Mütter insgesamt schwieriger ist, einfach der Intuition zu folgen – nämlich ein Kind zu tragen, zu berühren und anzunehmen, eben so, wie ein neuer Erdenbürger ist. Viel leichter ist es, sich ständig der „Welt anzupassen“, die man vorfindet, in der Hoffnung nur ja nicht als verrückt und alternativ abgestempelt zu werden.

Nähe und Geborgenheit dank Tragetuch
Nähe, Geborgenheit und Zeit – das sind die Dinge, die die kleinen Kinder brauchen. Mit einem Tragetuch kann man eigentlich alles verbinden. Der Herzschlag und die Wärme der Mutter sind für das Kind allgegenwärtig und das Schaukeln durch die Bewegungen der oder des Tragenden wirken sich äußerst positiv auf die Entwicklung des Gleichgewichtes beim Kind aus. Außerdem kann mit einem Tragetuch auch die kindliche Hüfte gut geformt werden. Ich verwende es also auch als „Therapiematerial“ für gefährdete Kinderhüften.

Lassen Sie doch einmal den Kinderwagen stehen – die schöne Herbstwanderung lässt sich mit einem Tragetuch viel einfacher und spontaner gestalten und es wird vermutlich nicht nur dem oder der „Getragenen“ gefallen!

Verfasst von Monika Siller am 06 Sep 2008

Beckenboden und Kinderwagen

Der Beckenboden, als muskulärer Abschluss des knöchernen Beckens, hat die Aufgabe, für die Stabilität der inneren Organe zu sorgen. Für die Kontinenz von Harn und Stuhl zur Verfügung zu stehen und auch als energetisches Kraftzentrum zu fungieren.

Ich als Physiotherapeutin, lege bei meinen Frauen immer großen Wert darauf, dass sie den Beckenboden in „guter“ und „schlechter“ Haltung erfahren können, worauf viele Frauen ganz spontan erstaunt sind, wie viel eine aufrechte Haltung für den Beckenboden bedeutet. Er lässt sich in aufrechter Haltung besser anspannen und hält auch dem Druck des Hustens und Niesens besser stand.

Verbesserte Körperhaltung im Alltag
Kaum versuchen wir dann, in der Rückbildungsgruppe gemeinsam zu überlegen, wie wir die verbesserte Körperhaltung im Alltag besser einsetzen können, landen wir beim Thema „Kinderwagen schieben“, welches in aufrechter Haltung nur schwer möglich ist. Ich empfehle den jungen Müttern dann immer, einmal den Versuch zu starten, den Kinderwagen ab und zu hinter sich her zu ziehen. Da ist man dann gezwungen, seine Wirbelsäule aufzurichten. Da das „Kinderwagen-Ziehen“ etwas komisch aussieht und man das Kind dann leider nicht so gut betrachten kann, empfehle ich alternativ, ganz einfach zu versuchen, die Hände mit der Handinnenfläche von unten an die Lenkstange zu legen. Das Brustbein wird dann automatisch nach vorne oben geschoben und die Haltung verbessert sich entscheidend.

Seit diesen „Wirbelsäulen-Kinderwagen-Aufrichtungs-Experimenten“ meinerseits, ist es in meiner Heimatgemeinde keine Seltenheit mehr, dass der Kinderwagen zum Beckenbodentraining mal anders herum geschoben oder gezogen wird. Die Gemeinde hat sich wohl oder übel an das Bild der „alternativ-schiebenden“ Mütter und (!) Väter gewöhnen müssen!

Verfasst von Monika Siller am 05 Sep 2008

Wassergeburt und Dammschutz

Immer wieder wird diskutiert, welche Vorteile denn die Wassergeburt gegenüber den „Landgeburten“ haben könnte. Richtig aussagekräftige Statistiken über die Vermeidung sämtlicher Geburtsverletzungen konnte ich eigentlich nicht finden. Allerdings erzählen mir immer wieder befreundete Hebammen, dass ihre Erfahrung mit dem Damm eine sehr gute sei. Konkret heißt das, dass der Damm im Wasser von sich aus schon wesentlich weicher wird, den Frauen das warme Wasser die Möglichkeit der physischen und psychischen Entspannung gibt und der notwendige Geburtsschmerz leichter toleriert wird. Auch habe ich bei den Wassergeburten immer aktive und bis zum Schluss mobile Frauen beobachtet, die sehr selbstbestimmt, mit der Hebamme an ihrer Seite, an die Geburt heran gingen.

Dammschutz durch Wasser
Der Dammschutz wird vom Wasser selbst übernommen. Dammschnitte werden im Wasser nicht durchgeführt. Die Hebamme versucht eventuell nur die Durchtrittsgeschwindigkeit des kindlichen Köpfchens etwas zu regulieren, damit der Damm indirekt geschont wird. Die Mobilität im Wasser, das Steißbein, welches im Wasser immer beweglich bleibt und damit den Beckenboden nach allen Seiten elastisch hält, die Aufmerksamkeit der Frauen, die ihr Kind langsam und gleichmäßig aus sich herausschieben können und das Wasser an sich, helfen dem Damm intakt zu bleiben. Natürlich gibt es auch im Wasser die Möglichkeit eines Dammrisses; diese sind aber nach meinen Beobachtungen in der Nachbetreuung relativ selten.

Wassergeburt setzt stabilen Kreislauf voraus
Für die Geburt im Wasser ist es dennoch wichtig, dass die Frauen einen stabilen Kreislauf haben. Die Hebamme Ingeborg Stadelmann empfiehlt dafür einige Tropfen Rosmarienöl emulgiert ins Wasser zu geben oder die Essenz den Frauen als „Riechfläschchen“ anzubieten.

Verfasst von Monika Siller am 03 Sep 2008

Kaiserschnittnarbe brennt und ist taub

Bei Betrachtung der doch immer noch recht großen Narben als Folge eines Kaiserschnittes, wird einem erst bewusst, dass es sich bei dieser Art der Entbindung um eine richtige Bauch-Operation handelt und dass es eigentlich für die Frauen nicht wirklich die Geburtsmethode der Wahl sein kann. Manchmal ist der Kaiserschnitt allerdings lebensnotwendig und so gehört er, meiner Meinung nach, heute auch als Notfall-OP und nicht als elektiver Kaiserschnitt angewendet.

Die meisten Frauen klagen über Probleme mit ihrer Kaiserschnittnarbe
Die Hautnarben sehen zwar von außen nach einiger Zeit recht gut verheilt aus, eigentlich klagen aber die meisten Frauen über ein Ziehen, ein Brennen und eine allgemeine Übersensibilität rund um die Narbe. Sich am Waschbeckenrand beim Zähneputzen anzustoßen oder von den Kinderfüßchen während des Stillens getreten zu werden, wird immer wieder als sehr unangenehm beschrieben. Auch, dass die Frauen lange kein Gefühl oder aber dieses Brennen beim Berühren der Haut rund um die Narbe haben, spricht für eine größere Operationsnarbe, bei der auch Hautnerven durchtrennt werden.

Behandlungsmöglichkeiten für Kaischerschnittnarben
Die Behandlung der Hautnarbe versuche ich nach Nahtentfernung immer mit einem Kinesio-Tape. Auch hat sich das Bürsten der Haut rund um die Narbe mit einem weichen Baby-Bürstchen bewährt, soweit dies überhaupt toleriert wird. Dabei können die Hautnerven etwas stimuliert werden und damit unempfindlicher gegenüber Berührung werden. Weiches Bewegen mit einer APM-Salbe etwa, Lymphdrainage und energetische Arbeit an der Narbe, runden die Behandlungsmöglichkeiten ab.

Bei den Frauen nach einem Kaiserschnitt sehe ich aber noch ganz andere Probleme:
Nicht selten schleichen sich Schmerzen rund um das Becken ein. Ebenso Lendenwirbelsäulenschmerzen, die bis in die Leiste und die Beine ausstrahlen können, Gebärmuttersenkungen, tiefe innere Narbenschmerzen und Verklebungen innerer Bindegewebsschichten. Auch habe ich schon Frauen nach einem Kaiserschnitt gesehen, die Probleme hatten, die Bauchmuskulatur ökonomisch zu aktivieren.

Wenn Sie Probleme seit ihrem Kaiserschnitt haben, ein Versuch mit Physiotherapie oder Osteopathie lohnt sich immer. Nicht nur die sichtbare Hautnarbe, sondern gerade die tiefen Bindegewebsstrukturen können davon profitieren und Sie haben gute Chancen, ihre Schmerzen und Missempfindungen in den Griff zu bekommen.

Verfasst von Monika Siller am 01 Sep 2008

Zu viele Bücher für eine Schwangerschaft…

Da die Schwangerschaft bei uns Menschen „nur“ 9 Monate dauert - ein bisschen mehr, ein bisschen weniger lang - hat wohl kaum eine Schwangere die Möglichkeit, sich selbst ein Bild von allen „wirklich wertvollen“ Büchern zu machen. Da ich mich beruflich seit 16 Jahren mit dem Thema: Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett auseinandersetze und lesen zu einem meiner liebsten Hobbys gehört, dachte ich mir, ich könnte mal meine Favoriten hier vorstellen….

Sie haben bestimmt auch Freude mit den wunderbaren „Leseperlen“. Hier meine ersten beiden Empfehlungen:

Die Hebammensprechstunde – Ingeborg Stadelmann
Auf den ersten Blick mag das Buch etwas „farbenarm“ erscheinen – es enthält nämlich kein einziges Foto. Der Inhalt ist aber umso berauschender. Die Autorin hat ein Werk geschaffen, das sowohl für Fachleute, die in dem Bereich arbeiten, wie auch für Schwangere eine Fundgrube darstellt. Zu jeder Fragestellung findet man hier kompetente Antworten. Antworten aus der Aromatherapie und der Homöopathie, aber auch viele Bestätigungen von einer erfahrenen Hebamme, dass jede Frau gebären kann und sich auf ihr Gefühl verlassen kann. Das Buch ist für mich die „Bibel der Schwangerschaft“, weil einfach alles drinnen steht und das noch sehr gut verständlich, auch für Laien.

Es ist nicht egal, wie wir geboren werden – Michael Odent
Ein blaues, nicht allzu dickes Buch – ansprechend auf den ersten Blick. Der Autor ist französischer Geburtshelfer und weiß nur allzu gut, um die vielen Dinge, die in Kliniken nicht so ideal funktionieren während der Geburt. So ist für ihn das Gebären ein natürlicher Vorgang, der sich in den ältesten Gehirnregionen abspielt. Licht, Sprache und Beobachtung werden dabei nicht toleriert. Wer in der Geburtshilfe tätig ist, sollte das Buch gelesen haben und für Frauen in der Schwangerschaft ist es ein spannendes Buch, das die Geburt wieder weit weg von der Technik bringt. Ein Lesebuch der besonderen Art, finde ich…

Verfasst von Monika Siller am 18 Jul 2008

Sex in der Schwangerschaft

Die Frage, ob Sexualität und Schwangerschaft zusammen passen, ist bei genauerer Betrachtung eigentlich ziemlich überflüssig… 

Das Kind wird durch den Beischlaf gezeugt und befindet sich dann während der Schwangerschaft in einem bestens geschützten Raum in der Gebärmutter. In der Fruchtblase befindet sich das Fruchtwasser, darin bewegt sich das Baby im schwerelosen Raum. Der innere und der äußere Muttermund sind in der Schwangerschaft bis gegen das Ende physiologischer Weise geschlossen.  

Viele werdende Väter haben aber immer wieder Bedenken, das Kind könnte die Stoßbelastungen während des Geschlechtsverkehrs nicht tolerieren – da kann ich alle Zweifelnden beruhigen – jeder Atemzug der Mutter übt über das Zwerchfell „mehr Druck“ auf das Ungeborene in seiner Gebärmutter aus. Auch kann das Sperma in der Schwangerschaft nur dann Wehen auslösen, wenn die Gebärmutter schon für Wehen bereit ist. Damit hätte man dann auch eine natürliche und „angenehme“ Möglichkeit, die Geburt „einzuleiten“, wenn man sich zeitlich am errechneten Geburtstermin befindet. Vorsicht ist nur dann gegeben, wenn der oder die Gynäkologin frühzeitige Wehen feststellt. Dann würde Geschlechtsverkehr natürlich auch die Geburt „einleiten“, was hier nicht unbedingt erwünscht wäre. 

Viele Frauen haben gerade in der Schwangerschaft ein verstärktes Bedürfnis nach ganz “naher“ Nähe und genießen die Zeit zu zweit im Bett mehr als vor der Schwangerschaft. Genießen Sie doch die Zweisamkeit mit dem veränderten, wunderschönen Frauenkörper - schließlich ist ihre Beziehung das Fundament der zukünftigen kleinen Familie! 

Und übrigens: Beim Orgasmus werden Opiate vom Hormonsystem ausgeschüttet. Diese erzeugen „Bindung“ zwischen den Partnern und das ist schon ein kleiner Vorgeschmack auf die unmittelbare Zeit nach der Geburt. Diese Opiate sind nämlich nach der Geburt (in der Bondingphase) auch für die Bindungsfähigkeit der Mutter zum Kind verantwortlich. Da gibt es dann natürliches Opiat im Überfluss – freuen Sie sich darauf!

Verfasst von Monika Siller am 17 Jul 2008

Sport in der Schwangerschaft

Eines vorweg:

Nur weil man gerade schwanger ist, muss man keinen Marathon bestreiten können oder sportlicher als vor der Schwangerschaft sein. Viele Frauen genießen aber die Zeit in der Schwangerschaft  noch, um sich ein bisschen gesünder zu ernähren, gelassener den Tag zu gestalten und halt eben auch ein bisschen Sport zu betreiben. 

Ich werde in meiner Praxis immer wieder gefragt, welche Sportarten in der Schwangerschaft ideal wären. Da kann ich nur sagen, dass das ziemlich individuell zu beantworten ist: Ich hatte beispielsweise eine Triathletin in einem meiner Geburtsvorbereitungskurse, die es lange genossen hat, das Schwimmen und Radfahren weiter zu betreiben, das Laufen war aber ziemlich bald kein Thema mehr für sie… Eine andere Schwangere möchte noch eine kleine Skitour im sicheren Gelände ohne Zeitdruck machen und ist in dieser Sportart geübt. Auch da kann ich individuell einmal meinen „Segen“ dazu geben. Mit solchen Sportarten aber erst in der Schwangerschaft zu beginnen, finde ich nicht zielführend. 

Prinzipiell könnte man aber folgende Regeln aufstellen: 

- Sportarten mit Stoßbelastungen sind prinzipiell in der Schwangerschaft nicht ideal (z.B. Reiten, Springen, Laufen)
- Überanstrengungen meiden
- Verletzungsrisiko sollte möglichst gering sein
- Kontaktsportarten eher meiden (Kampfsport, Ballspiele)
- am besten ist es, sich auf sein Gefühl zu verlassen
- Wehen dürfen keinesfalls ausgelöst werden! 

Ideale Sportarten (moderat durchgeführt) für alle Schwangeren sind:- Langlaufen (klassischer Stil)
- Schwimmen und Aqua-Gymnastik
- Sanfte Gymnastik, Yoga für Schwangere ohne extreme Ausgangsstellungen
- Radfahren
- Tanzen
- Nordic walking 

Sport bringt den Kreislauf in Schwung und macht jeden Menschen gesund und glücklich, wenn er sich einmal auf seinem individuellen Niveau darauf einlassen konnte….. und das bringt Lebensqualität für´s ganze Leben.

Verfasst von Monika Siller am 15 Jul 2008

1001 Verbote in der Schwangerschaft

Die Frauen, die zu mir in den Geburtsvorbereitungskurs kommen, gehen meist am 1. Abend erleichtert nach Hause, weil ich ihnen allen einmal die meisten „Schwangerschafts-Verbote“ „entschärfe“ und gut gemeinte Ratschläge sämtlicher Familienmitglieder „neutralisiere“.   

Ich bin schwanger und alles ist verboten… 

Großmütter haben Bedenken beim Wäsche aufhängen - das Kind könnte sich in der Nabelschnur erhängen; die Mutter findet es nicht gut, wenn sich die Schwangere noch alleine ins Auto setzt und die Schwester verweigert die Mitnahme der Schwangeren auf die alljährliche Stammtischreise ins Wellnesshotel - die Wehen könnten ja schon im 5. Monat einsetzen. Gut - ich müsste als Schwangere auch nicht den ganzen Tag schwere Arbeit verrichten in einer Firma, die Lacke und Farben herstellt oder stundenlang mit einem Rennauto durch die Gegend rasen und Fallschirm springen oder was sonst noch so gefährliche Dinge im Leben lauern… Aber auf solche Ideen ist wohl auch noch keine Schwangere freiwillig gekommen – oder? 

Die Schwangerschaft ist keine Krankheit – lediglich der Beginn eines neuen Lebensabschnittes, in dem man Verantwortung für ein Ungeborenes mitträgt – aber das ist gut eingebettet in seiner „Welt“ und freut sich, wenn die Mama ihr Leben nicht völlig aufgibt und zu leben aufhört…  

Ein Buchtipp:  

1001 Verbote in der Schwangerschaft – Tipps und Tricks, die man besser ignoriert
Autorin: Imma Müller-Hartburg; Goldegg Verlag, Wien; ISBN: 3-901880-93-3 

Die Autorin ist Gynäkologin und schildert in diesem Buch sehr praxisnah die Ängste und Befürchtungen der Schwangeren und dass fast nichts von all den Verboten wissenschaftlich bewiesen ist. Sie ermutigt die Schwangeren mehr auf ihr Gefühl zu achten und gibt klare Anweisungen, wann man sich Sorgen machen muss. Das Buch ist in kleine Kapitel eingeteilt und sehr ansprechend und lustig illustriert. Immer wieder kommen auch Fallbeispiele aus ihrer Gynäkologen-Praxis vor – das belebt die Kapitel sehr.

Verfasst von Monika Siller am 14 Jul 2008

Das Becken in der Schwangerschaft

Eine häufige, äußerst lästige, aber unbedingt notwendige, Begleiterscheinung in der Schwangerschaft ist die Tatsache, dass sich die Bandverbindungen zwischen den einzelnen Beckenknochen etwas „erweichen“ und den schwangeren Frauen Probleme im Alltag bereiten. Allerdings geben nicht alle Frauen Beschwerden an. Die schwangeren Frauen bekommen dann die „Pauschaldiagnose“: Beckenringlockerung oder Iliosakralgelenks-Beschwerden von den Gynäkologen, die manchmal nicht wissen, dass die Physiotherapie Linderung oder Schmerzfreiheit bringen kann. 

Grund für die Beschwerden ist meist die veränderte hormonelle Situation während der Schwangerschaft: Der veränderte Hormonstatus der schwangeren Frau sorgt dafür, dass alle Bindegewebsstrukturen (dazu gehören auch die Bänder) weicher und damit beweglicher werden. Was an der Bauchhaut während der Schwangerschaft für die Frauen sichtbar wird, … wie sich die Haut dort nämlich dehnt, damit das Kind „dahinter“ Platz bekommt, … das kann am Schambein oder am Iliosakralgelenk (Verbindung der Darmbeischaufeln zum Kreuzbein) ziemlich unangenehm werden. Viele schwangere Frauen klagen dann über Schmerzen beim Aufstehen oder beim langen Stehen und Gehen, manchmal sogar beim Liegen. Das „mehr“ an Beweglichkeit hat als Nebenwirkung „Stabilitätsverlust“. Die Muskulatur kann nicht mehr ausreichend stabilisieren und spezifische Nerven signalisieren dann dem Gehirn „Schmerz“.  

Bei der Geburt ist dieses „mehr“ an Beweglichkeit an den Gelenken, zwischen den Beckenknochen, in der Wirbelsäule, an den Hüftgelenken, am Beckenboden… - aber unbedingte Notwendigkeit. Nur so kann die Frau ihr Kind auch durch das Becken gebären. Wenn während der Schwangerschaft (das gilt übrigens auch für die Rückbildungszeit) die Strukturen also zu viel Stress bekommen und die Stabilität nicht ausreichend gewährleistet wird, so kann es auch zu „Verschiebungen“ kommen, welche unbedingt physiotherapeutisch vor der Geburt behandelt werden müssen. Die Frauen bekommen dann einen Beckengurt. Diese Maßnahmen sollten Linderung, oder im Idealfall Schmerzfreiheit,  rund ums Becken bringen. 

Wenn ihnen derartige Beschwerden bekannt vorkommen, wenden sie sich an Physiotherapeuten, wir können bestimmt einiges für ihr temporär zu „weiches“ Becken tun und ihnen die Basics für eine dahingehend „gute Geburt“ liefern….

Verfasst von Monika Siller am 03 Jul 2008

Bekommt jede Dammnarbe die Behandlung, die sie braucht?

Bei dieser Fragestellung bin ich mir nicht ganz sicher, ob dem auch so sei… - Tatsache ist, dass viele junge Mütter, auch Jahre nach der Geburt, noch Hilfe wegen eines „verpfuschten Schnittes an der Beckenbodenmuskulatur“ in meiner Praxis suchen, weil sie offensichtlich nirgends ein offenes Ohr bekommen. Die Hebammen sehen die Frauen nach der Geburt maximal noch bis zum Ende des Wochenbettes, die Gynäkologen haben in der schnell zu laufenden Ordination kaum Zeit, den Kraftgrad der Muskulatur zu überprüfen…. 

Und die Frauen sind nach Ende des Wochenbettes nicht mehr sicher, an wen sie sich wenden sollten, wenn die Narbe beim Geschlechtsverkehr, manchmal sogar beim Sitzen, noch schmerzt und sich eine Inkontinenz oder Senkung bemerkbar macht. Viele junge Frauen wenden sich dann an eine Freundin, die auch geboren hat, oder an die eigene Mutter. Da bekommen die Frauen aber oft nur eine scheinbar beruhigende Meinung zu hören: „ … das gibt es halt, habe ich auch….“ oder „… dafür hast du ein gesundes Kind, das ist halt der Preis dafür…“. 

Vielleicht sollte ich hier einmal erwähnen, dass es Physiotherapeuten gibt, die sich über Jahre hinweg mit der Problematik von Narben und der Behandlung der Beckenbodenmuskulatur in seiner ganzen Vielfalt auseinandersetzen. Wir versuchen dann, gemeinsam mit der Frau einen Behandlungsweg zu finden und nicht selten habe ich immer wieder Männer erlebt, die sich dann nach erfolgreicher Behandlung bei mir mit einem großen Blumenstrauß bedankt haben. Schmerz- und angstfreie Sexualität ist unbestritten auch ein großer Teil jeder Beziehung zwischen den Elternteilen. 

Haben Sie selbst Probleme mit Dammnarben? Wenn es für Sie interessant wäre, wie wir Physiotherapeuten hier behandeln, dann schreiben sie doch eine kurze Anfrage…

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