Archiv für Physiotherapie Blog

Verfasst von Monika Siller am 28 Okt 2008

Atmung für die Geburt

Die Frage nach der „richtigen“ Atmung ist immer wieder ein brisantes Thema für die Frauen, die einen Geburtsvorbereitungskurs besuchen. Es scheint immer noch in den Köpfen der Menschen zu sein, dass man Atmen für die Geburt „lernen“ muss. In Wirklichkeit sollte man sie „beobachten“ lernen im eigenen Körper und dann abrufen können bei der Geburt selbst.

Atmen und Wehen
Wenn man bei Geburten mit dabei gewesen ist, dann kann man die Intensität der Wehen an der Intensität der Atmung „hören“. Frauen, die sich für die Geburt öffnen können, reagieren natürlich mit einer vertieften, seufzenden Atmung, auf den vermehrten „Zug“ der Wehe. Wenn am Schluss der so genannte „Pressdrang“ einsetzt, gelingt es Frauen, die auf ihre innere Stimme hören können, meist ohne Anleitung durch die Hebamme, den Mund in Gähnbereitschaft zu versetzen und schieben das Kind durch den gleichzeitig öffnenden Beckenboden durch sich hindurch.

Natürliche Gebärposition für natürliche Atmung während der Geburt wichtig
Voraussetzung für diese natürliche Atmung ist aber eigentlich die natürliche Gebärhaltung der Frau in der Austreibungsperiode. Glücklicherweise wird heutzutage jeder Gebärenden freigestellt, in welchen Positionen sie die Wehen besser „verarbeiten“ kann. Das kann die Bankstellung, das anlehnende Stehen oder das Anhängen am Geburtsseil sein. In Situationen, in denen sich das Kind noch nicht ideal ins mütterliche Becken eingestellt hat, kann es allerdings notwendig sein, dass die Hebamme zu gewissen Lagerungen anleitet.

Bauchatmung trainieren
Versuchen sie doch einmal am Abend, wenn es ruhig wird und sie im Bett liegen, ihre Hand auf den Bauch zu legen und sich vorzustellen, sie atmen „zum Kind hin“. Bald werden sie bemerken, dass sie sich gut entspannen, der Bauch bei der Einatmung in ihre Hand kommt und bei der Ausatmung wieder etwas weg geht. Ganz nebenbei beginnt dann das Baby gerne zu strampeln, weil es merkt, dass da Aufmerksamkeit zu ihm kommt und es wird sanft hin und her geschaukelt. Diese Bauchatmung ist für die Wehenverarbeitung bestens geeignet: Es gilt sich immer vorzustellen, dass man dorthin atmet, wo etwas geschieht und das ist bei der Wehe in dieser Region.

Verfasst von Monika Siller am 09 Sep 2008

Vom „Tragetuch-tragen“ und „Kinderwagen-schieben“

Als Physiotherapeutin werde ich immer wieder von Müttern kleiner Kinder gefragt, wie ich denn so zum Tragen von Kindern in Tüchern stehe. Das sei doch jetzt wieder so in Mode…

Die häufigsten Fragen sind dann:

- schadet das Tragen im Tuch den Wirbelsäulen der Kinder nicht?
- wird das Kind da nicht zu sehr verwöhnt?
- Ist das nicht sehr anstrengend für den oder die Tragenden?

Meine Antworten sind dann meist Gegenfragen:

- ist die Wirbelsäule bei den Babys nicht in jedem Fall vor dem Aufrichten rund?
- Kannst du dir vorstellen, dass Nähe nicht gut ist für dein Kind?
- Schleppst du nicht auch Wäschekörbe, Mülleimer, Einkaufstaschen?

Die Gegenfragen wirken vielleicht etwas provokant. Ich denke trotzdem, dass es heute für Mütter insgesamt schwieriger ist, einfach der Intuition zu folgen – nämlich ein Kind zu tragen, zu berühren und anzunehmen, eben so, wie ein neuer Erdenbürger ist. Viel leichter ist es, sich ständig der „Welt anzupassen“, die man vorfindet, in der Hoffnung nur ja nicht als verrückt und alternativ abgestempelt zu werden.

Nähe und Geborgenheit dank Tragetuch
Nähe, Geborgenheit und Zeit – das sind die Dinge, die die kleinen Kinder brauchen. Mit einem Tragetuch kann man eigentlich alles verbinden. Der Herzschlag und die Wärme der Mutter sind für das Kind allgegenwärtig und das Schaukeln durch die Bewegungen der oder des Tragenden wirken sich äußerst positiv auf die Entwicklung des Gleichgewichtes beim Kind aus. Außerdem kann mit einem Tragetuch auch die kindliche Hüfte gut geformt werden. Ich verwende es also auch als „Therapiematerial“ für gefährdete Kinderhüften.

Lassen Sie doch einmal den Kinderwagen stehen – die schöne Herbstwanderung lässt sich mit einem Tragetuch viel einfacher und spontaner gestalten und es wird vermutlich nicht nur dem oder der „Getragenen“ gefallen!

Verfasst von Monika Siller am 06 Sep 2008

Beckenboden und Kinderwagen

Der Beckenboden, als muskulärer Abschluss des knöchernen Beckens, hat die Aufgabe, für die Stabilität der inneren Organe zu sorgen. Für die Kontinenz von Harn und Stuhl zur Verfügung zu stehen und auch als energetisches Kraftzentrum zu fungieren.

Ich als Physiotherapeutin, lege bei meinen Frauen immer großen Wert darauf, dass sie den Beckenboden in „guter“ und „schlechter“ Haltung erfahren können, worauf viele Frauen ganz spontan erstaunt sind, wie viel eine aufrechte Haltung für den Beckenboden bedeutet. Er lässt sich in aufrechter Haltung besser anspannen und hält auch dem Druck des Hustens und Niesens besser stand.

Verbesserte Körperhaltung im Alltag
Kaum versuchen wir dann, in der Rückbildungsgruppe gemeinsam zu überlegen, wie wir die verbesserte Körperhaltung im Alltag besser einsetzen können, landen wir beim Thema „Kinderwagen schieben“, welches in aufrechter Haltung nur schwer möglich ist. Ich empfehle den jungen Müttern dann immer, einmal den Versuch zu starten, den Kinderwagen ab und zu hinter sich her zu ziehen. Da ist man dann gezwungen, seine Wirbelsäule aufzurichten. Da das „Kinderwagen-Ziehen“ etwas komisch aussieht und man das Kind dann leider nicht so gut betrachten kann, empfehle ich alternativ, ganz einfach zu versuchen, die Hände mit der Handinnenfläche von unten an die Lenkstange zu legen. Das Brustbein wird dann automatisch nach vorne oben geschoben und die Haltung verbessert sich entscheidend.

Seit diesen „Wirbelsäulen-Kinderwagen-Aufrichtungs-Experimenten“ meinerseits, ist es in meiner Heimatgemeinde keine Seltenheit mehr, dass der Kinderwagen zum Beckenbodentraining mal anders herum geschoben oder gezogen wird. Die Gemeinde hat sich wohl oder übel an das Bild der „alternativ-schiebenden“ Mütter und (!) Väter gewöhnen müssen!

« Prev - Next »